Wie Gezeiten-Kraftwerke arbeiten
Regenerative Energieformen sollten die Energieprobleme der Menschheit lösen. Das unerschöpflichste Potential bietet das Meer: Die durch die Erddrehung ausgelösten Gezeiten und Wellenbewegungen stellen permanente Energieformen dar, die nur umgewandelt werden müssen. Viele Stromanbieter arbeiten fieberhaft daran, Strom aus dem Meer zu gewinnen. Dazu bedarf es spezieller Kraftwerke, die als Prototypen bereits an verschiedenen Orten im Einsatz sind und zeigen, wie Energie aus der Wasserbewegung gewonnen wird.
Am weitesten ist die Entwicklung bei den Gezeiten-Kraftwerken vorangeschritten. In North-Devon an der britischen Atlantikküste werden durch die Gezeitenströmung Rotorblätter angetrieben. Der zweiflügelige Rotor mit elf Metern Durchmesser dreht sich 15 Mal pro Minute. Um die Wasserbewegungen bei Ebbe und Flut optimal Nutzen zu können, verstellen sich die Rotorblätter um bis zu 180°. An diesem Standort erreicht die Tidenströmung eine hohe Geschwindigkeit von zwei bis drei Metern pro Sekunde. Im Unterscheid zu Windrädern können die Rotoren einer Gezeitenanlage kleiner ausfallen, da Wasser dichter als Luft ist und eine Rotordrehung unter Wasser erheblich mehr Energie erzeugt als in der Luft.
Wellenkraftwerke, wie das als Prototyp betriebene Beispiel in der Galway-Bucht im Westen Irlands, wandelt die Auf- und Abbewegung der Wellen in Energie um. Eine am Meeresgrund verankerte Boje ist über einen beweglichen Zylinder mit einer Luftkammer verbunden. Durch den Auftrieb steigt die Luftkammer nach oben und wird durch die Wellenbewegung auf und nieder bewegt. Die dabei im Zylinder im Wechsel komprimierte und dekomprimierte Luft treibt eine Turbine an, die Ökostrom aus dem Meer erzeugt.
Neben dem Gezeiten-Kraftwerk und dem Wellenkraftwerk arbeiten Wissenschaftler und Stromanbieter an so genannten Osmose-Kraftwerken. Wasser hat das Bestreben, unterschiedliche Salzkonzentrationen auszugleichen. Werden am Übergang zwischen Meeres- und Süßwasserbereichen zwei Bassins unterschiedlich gefüllt und mit einer wasserdurchlässigen Membran verbunden, die kein Salz durchlässt, dann strömt Wasser aus dem Süßwasser- in das Salzwasserbecken. Das nun unter Druck stehende Mischwasser treibt eine stromerzeugende Turbine an.